Warum ist Jod so wichtig?

 

Bei mehr als 30 Prozent der Deutschen ist die Schilddrüse vergrößert oder in Form und Aufbau verändert. Die Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen kostet das deutsche Gesundheitswesen im Jahr mehr als eine Milliarde Euro. Für die Therapie einer "Iodmangelstruma" (Struma = Kropf) genügen meist Iodidtabletten. Kombiniert mit Schilddrüsenhormonpräparaten kann dies den Kropf und oft auch die Knoten verkleinern.

Jodmangel fördert Schilddrüsenwachstum
Einen Kropf haben meist Menschen, deren Körper unzureichend mit Jod versorgt ist. Die Schilddrüse versucht, diesen Mangel durch Wachstum auszugleichen und das Gewebe wird knotig. Schilddrüsenknoten sind in der Mehrzahl gutartig. Kleinere Knoten verursachen bei den Betroffenen anfangs meist keinerlei Symptome. Dennoch sollten Veränderungen möglichst früh erkannt und behandelt werden, bevor die Funktion der Schilddrüse beeinträchtigt wird.

Durch Tastuntersuchung, Ultraschall, Labortests und Szintigraphie – einer Untersuchungsmethode auf der Basis radioaktiv markierter Teilchen – lassen sich Schilddrüsenveränderungen rasch und sicher erkennen. In nur drei von 1000 Fällen ist ein Knoten bösartig und muss operativ entfernt werden. Wenn sich sogenannte "heiße Knoten" gebildet haben, die unkontrolliert Hormone produzieren, kann eine Operation oder eine Radioiodtherapie unumgänglich sein.

Was ist die Ursache des Jodmangels in Deutschland?
Jod kommt in sehr geringen Mengen in heimischen Böden, Acker- und Weideflächen sowie im Trinkwasser vor. Da es wasserlöslich ist, wird es kontinuierlich mit Regenwasser, durch Bewässerung und über die Flüsse aus Böden und Gesteinsschichten in Richtung Meer ausgewaschen.
Da Nutzpflanzen (Getreide, Gemüse, Obst) zudem ohne Jod wachsen und gedeihen können, reichern sie auch kaum Jod an. Gemüse und Obst steuern daher nur etwa drei Prozent zur Jodversorgung bei.
Aufgrund des Jodgehalts der Meere sind Seefische und andere Meerestiere natürlich jodreich. Seefisch wird aber vom Großteil der Bevölkerung eher selten verzehrt.

Welche gesundheitlichen Folgen hat ein Jodmangel?
Enthält die Nahrung nicht genügend Jod, versucht der Körper dies auszugleichen, indem sich die Schilddrüsenzellen vergrößern und vermehren. Damit sollen die geringen Jodmengen besonders effektiv aus der Nahrung "herausgefischt" werden. Übersteigt die Schilddrüsenvergrößerung ein bestimmtes Maß, bezeichnet der Arzt das als Kropf oder Struma.
Ist die Schilddrüse nicht allzu sehr vergrößert und die Bildung der Schilddrüsenhormone bleibt normal, bestehen zumeist keine Beschwerden (medizinisch: Euthyreose).
Kommt es trotz Schilddrüsenvergrößerung nicht mehr zur Bildung ausreichender Schilddrüsenhormone, liegt eine Unterfunktion der Schilddrüse vor (medizinisch: Hypothyreose). Mögliche Beschwerden sind Gewichtszunahme, Frieren, Leistungsminderung, Antriebsschwäche, Konzentrationsminderung, schnelle Ermüdung, Darmverstopfung, Veränderungen an Haut und Haaren (trocken, spröde), Schwellungen im Gesicht (Wassereinlagerung) sowie langsamer Puls und niedriger Blutdruck.

Gibt es Lebensmittel, die den Jodmangel beheben können?
Von Natur aus jodreich sind nur Seefisch und Meerestiere, wie beispielsweise Schellfisch, Seelachs, Rotbarsch, Kabeljau oder Garnelen. Der Fischverzehr ist in Deutschland im Mittel mit 15 kg pro Kopf und Jahr aber viel zu gering, um den Jodbedarf zu decken. Auch kann bei wenig schonender Zubereitung ein Teil des Jods aus dem Fisch verlorengehen. Im Durchschnitt tragen Seefisch und Meerestiere nur mit neun Prozent zur Jodversorgung bei
Wegen des häufigeren und mengenmäßig höheren Verzehrs sind Milch und Milchprodukte als Jodlieferanten besonders wichtig. Sie tragen im Mittel mit 37 Prozent zur Jodaufnahme bei.
Der Jodgehalt der Kuhmilch erhöhte sich erst in den letzten Jahren, weil die Tiere über Trockenfuttermischungen Jod erhalten. Nutztiere nehmen auf den jodarmen Weiden zu wenig Jod auf. Da dies Fruchtbarkeit und Infektanfälligkeit der Tiere nachteilig beeinflusst, darf in der Europäischen Union (EU) dem Trockenfutter für Nutztiere (Rind, Schwein, Geflügel u.a.) Jod nach genau vorgeschriebenen Werten zugesetzt werden. Nennenswerte Jodmengen können somit insbesondere in der Wintermilch (mehr Trockenfutter, kaum Weidehaltung) enthalten sein. Die Jodierung von Futtermitteln führt aber nicht zu einem allgemeinen Jodüberangebot.
Weitere wichtige Jodlieferanten sind Brot und weitere Backwaren (19 Prozent der Jodaufnahme). Hier ergibt sich der Jodgehalt im wesentlichen durch die Verwendung von Jodsalz bei der Herstellung.
Vorwiegend in Asien tragen auch Meeresalgen und Seetang zur dort sehr reichlichen Jodaufnahme bei. Vor dem Verzehr solcher Produkte wird in Deutschland ausdrücklich gewarnt. Bestimmte Algen- und Seetangprodukte können extrem hohe Jodmengen enthalten, an die unser Schilddrüsenstoffwechsel – anders als bei der Bevölkerung in Asien – nicht angepasst ist.

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